#Ausdruck der Woche, Mutation

Ich will mich hier nicht über aktuelle Mutationen lustig machen, sondern nur einen Denkanstoß liefern. Immerhin gibt es eine Weltanschauung, die davon ausgeht, dass wir durch Mutationen entstanden sind.


Mutation

mit Mut mutiert die Mutation

unwissend, was hat sie davon

mutatis mutandis* entsteht in Eile

eine neue Erbgutzeile

sich selbst zu ändern ist riskant

das weiß nicht nur der Mutant

denn der Gewohnheit zu entfliehen

heißt neue Seiten aufzuziehen

so wird man schnell zum Debütant

zum ich-bin-die-anderen-Mutant

schnell ruft jemand zu den Waffen

die Mutation darf es nicht schaffen

ist die Beständigkeit gefährdet

wird das Mutierte abgewertet

dabei versucht es, kaum zu fassen

sich eigentlich nur anzupassen


* ein Ausdruck für: mit den nötigen Änderungen

abc-Etüden, Dating-Warn-App

Die abc-Etüden sind eine Schreibeinladung von Christiane auf: irgendwas ist immer

Die Wörter für die Textwochen 03/04 des Schreibjahres 2021 stiftete Ulrike mit ihrem Blog Blaupause7. Sie lauten:

Lautsprecher
orange (NICHT die Frucht, die Farbe)
erschüttern.


Dating-Warn-App

Er hatte das Restaurant gefunden. Schon lange hatte er darauf verzichtet gehabt, auswärts essen zu gehen. Nicht, dass er ein Kochkünstler gewesen wäre, aber ausgehen war in den letzten Jahren zunehmend komplizierter geworden. Alles war irgendwie komplizierter geworden. Als wenn es jemals leicht gewesen wäre, zu leben.

Er sah auf die Uhr. Noch gut eineinhalb Stunden bis zu seinem ersten Date seit sechs Jahren. Er war nervös wie ein Kind vor dem ersten Schultag. Er hätte nicht gedacht, dass er sich noch einmal auf ein Date einlassen würde – oder müsste. Lange hatte er nur müde über all die Dating-App-Fanatiker*innen gelächelt, die auf ihren Smartphones hin und her wischten und dennoch alleine blieben.

Ihr Satz: „Ich liebe einen anderen“, erschütterte ihn noch heute, immer wieder.

Jetzt stand er hier und wollte einen neuen Weg gehen. Er kontrollierte sein Aussehen im Spiegelbild der Fensterscheiben. Das Restaurant war exzellent, aber wie so viele nur mäßig besucht. Er spürte diese innere Unruhe, doch er wusste, vor dem Einlass ins Restaurant war noch eine andere Aufgabe zu bewältigen.

Er sah sich um, nach den überall in der Stadt verteilten Häuschen mit der orangen Flagge auf dem Dach. Schnell hatte er eines entdeckt und reihte sich in die Schlange ein. Er hatte noch nie eines dieser Häuschen ohne eine Schlange gesehen und heute war er ein Teil davon. Aus einem Lautsprecher neben dem Bedienfenster kamen alle 10 Minuten die neuesten Statistiken. Er wusste nicht, wer sich das noch anhörte. Zu viele Zahlen. In wenigen Augenblicken würde er eine davon sein. So oder so.

Als er fertig war, sagte die alte Dame, dass er das Ergebnis in 15 Minuten bekäme. Er nickte und schlenderte zurück in Richtung Restaurant. Die Nervosität stieg. Würde er überhaupt bis ins Restaurant kommen?

Das Handy vibrierte in seiner Tasche.

#Improvisationsgeschichte, Teil 14

Dies ist Teil vierzehn einer Improvisationsgeschichte. Jeden Mittwoch erschien hier bisher eine Fortsetzung. Die Teile endeten immer mit einer offenen Situation und die Lesenden waren und sind aufgerufen Ideen und Worte für die Fortsetzung zu spenden.

Ich habe als Schreibender keine Geschichte im Kopf, sondern lasse mich von den Ideen und Wortspenden leiten.

Da es eine Gemeinschaftsgeschichte ist, verlinke ich gerne die Teilnehmenden. Wer nicht verlinkt werden möchte, teile mir dies bitte mit. 

Auch wenn es bereits Teil 13 ist gilt: 

Es kann jederzeit jede*r mitmachen. Die Geschichte lebt davon, dass Ihr euch beteidigt.

Ich freue mich über jede Idee und Wortspende.


Die Ideen und die Wortspenden waren:

Wortgeflumselkritzelkram Ich sage, sie sind wieder in der Parallelwelt. Wortspende: unersättlich

Kathakritzelt sagt: Sicher die Parallelwelt und der Osterhase kommt zu Weihnachten.Wortspende: Eier

Sternenseele Wortspende: Katzenjammer

laparoleaetedonneealhomme Sie sind in einet anderen Parallelwelt.; Wortspende: Ideologie


Teil 14:

Niemand sprach ein Wort. Alle sahen sich um. Sie suchten fieberhaft nach Veränderungen. Mit vorsichtigen Schritten gingen sie im Wohnzimmer umher.

„Woran erkennt man eigentlich, wenn man in einer anderen Welt ist?“, fragte Emma.

Finn zuckte die Schultern. „Im Hauptbahnhof war das immer sehr deutlich. Da waren von einem Moment auf den anderen die Leute weg.“

„Hier sind noch alle da. Heißt das, es hat nicht geklappt oder sind alle mitgekommen?“, fragte Tsunami.

„Woher soll ich das wissen“, sagte Finn etwas ärgerlich.

„Was verändert sich denn noch, wenn man die Welt wechselt?“

„Ich weiß nicht“, sagte Finn. „Es war jedesmal völlig anders. Allein schon die Welt aus der du kommst.“ Er sah Tsunami an.

„Wie meinst du das?“, fragte sie.

„Na allein eure Altersgesetze“, sagte Hendrik. „Ihr wart .. oder seid eine ganz andere Gesellschaft. Vermutlich mit ganz anderen Werten und ganz anderen Ideologien.“

„Das verstehe ich nicht“, sagte sie.

Plötzlich war ein lautes Mauzen zu hören.

„Könnte mal jemand etwas gegen diesen Katzenjammer machen und Gargamel herein lassen?“, fragte Hendrik.

Markus öffnete die Terassentür, nahm die Katze auf den Arm und streichelte sie. Sofort begann sie leise zu schnurren. Der alte Kater war unersättlich, wenn es um Streicheleinheiten ging.

„Soll ich noch mal mit den Münzen klimpern?“, fragte Finn?

„Oder die Trillerpfeife pfeifen?“, fragte Hans.

„Was soll denn die Trillerpfeife?“, fragte Emma.

„Mit der kamen wir bisher immer zurück“, sagte Finn nachdenklich.

Alle standen um den Esstisch herum und suchten mit den Blicken das Wohnzimmer ab. Nur Melanie stand an der offenen Verandatür und sah in den Garten hinaus.

„Was ist denn das da?“, fragte sie plötzlich.

Emma ging zu ihr. „Was denn, Schatz?“

„Das da unter der Blume“, sagte sie und zeigte auf den großen Rhododendron, unter dem sie Ostern noch bunte Eier gefunden hatte.

„Ich seh nichts.“

„Das war so etwas wie ein Tier, aber es lief wie ein Mensch.“

Nun schauten auch alle anderen in Richtung Garten und traten langsam und einer nach dem anderen an das große Verandafenster heran. Der Garten lag in winterlicher Ruhe vor ihnen, wenn auch ohne Schnee.

„Da ist auch was“, rief Hans und zeigte auf den Komposthaufen.

„Da auch“, sagte Tsunami und zeigte zum Rosenbusch.

„Was zum Teufel ist das?“, fragte Hendrik.


Nun liebe Lesenden,

hat Melanie etwas gesehen? Und wenn ja, was? Oder lassen sie sich zurückpfeifen in die andere Welt?

Ich freue mich auf Ideen und Wortspenden.

Euer Wortverdreher


Die ganze Geschichte gibt es hier:

#Improvisationsgeschichte