#Juniverse, Landstreicher

Die Juniverse 2021 sind eine Aktion von SIlbenton

Wenn auch etwas verspätet, steige ich noch in die Juniverse ein und werde versuchen, die schon erfolgten Worte nachzuholen.


Landstreicher

ein Landstreicher

bei allen guten Geistern

schaut doch genau hin

er gehört hier zu den Meistern

das ist doch kein Streichen

das ist auch nicht hingehunst

er ist ein Landschaftsmaler

das ist echte Kunst

wie er ihn verteilt

den sanften grünen Ton

mal dunkel und mal hell

in allen Variationen

wie er das Blütenweiß

ins Grüne schneien lässt

wie dann Rosa, Rot und Blau

aus dem Pinsel schnell erwächst

und dann das gelbe Meer

ein Rapsblütenozean

und ist eine Farbe alle

fängt er die nächste an

abc-Etüde, Mit A oder O?

Die abc-Etüden sind eine Schreibeinladung von Christiane auf: irgendwas ist immer.

Die Wörter für die Textwochen 23/24 des Schreibjahres 2021 stiftete Ellen mit ihrem Blog nellindreams. Sie lauten:

Picknickdecke
verwegen
recherchieren.


„Was hat er sich bloß dabei gedacht.“ Der alte Mann mit dem Spitzbart stand vor dem ungewöhnlich großen Gemälde und rieb sich seinen Bart. Der junge Mann neben ihm wühlte etwas nervös in einem Stapel von Papieren. „Wer denkt sich denn so etwas aus?“

„Es handelt sich hier um Herrn Edouard Manet.“

„Dass es nicht Monet ist, sehe ich selbst. Er kann doch nicht ernsthaft glauben, dass er damit durchkommt. “

„Nun, das Bild ist wahrhaftiger als es den Anschein hat“, sagte der junge Mann.

„Was meinen sie damit?“

„Nun, ich konnte recherchieren, dass die abgebildeten Personen alle aus dem näheren Umfeld des Malers stammen.“

„Sie meinen, dass sind echte Porträts?“

Der junge Mann nickte. „Der hier“, sagte er und zeigte auf den Mann in der Mitte. „Das ist Ferdinand Leenhoff, der Bruder von Suzanne Leenhoff.“

„Müsste ich die Dame kennen?“ Der alte Mann drehte sich um.

„Nein, aber Herr Manet scheint sehr um sie zu buhlen.“

Der alte Mann nickte leicht.

„Der andere Mann ist einer seiner Brüder.“

„Und ist eine der Damen das benannte Fräulein Leenhoff?“

„Nein. Die Dame im Wasser ist Alexandrine Meley.“

„Und wer ist die unbekleidete Dame?“

„Da ist Victorine Meurent, sein Lieblingsmodell.“

„Kann man ihm nicht verdenken.“

„Bitte?“

„Ach nichts. Aber so eine verwegene Darstellung eines harmlosen Picknicks können wir unmöglich zur Ausstellung zulassen. Auch wenn die Darstellung der Île de Saint-Ouen vortrefflich gelungen ist, ist die Abbildung eines Akts in so einer Szene absolut inakzeptabel.“

„Da haben sie so recht“, sagte der junge Mann bestätigend.

„Nicht einmal eine richtige Picknickdecke hat er den Personen gegönnt. Die Dame scheint auf ihrem ausgezogenen Kleid zu sitzen, unvorstellbar.“

„Jawohl.“

„Nous refusons l’image.“

„Ganz wie sie meinen.“

„Er sollte sich ein Vorbild an Monet nehmen.“


Im Zweiten Kaiserreich gab es strenge Regeln für die Malerei. Eine Jury verfügte darüber, ob die Bilder zu einer Ausstellung zugelassen oder abgelehnt (refuser) wurden. „1863 wurde mehr als die Hälfte der eingereichten Werke refüsiert.“

Quelle: https://www.weltkunst.de/kunstwissen/2018/01/edouard-manet-das-fruehstueck-im-gruenen

Ausdruck der Woche (18), So viel Mies wie möglich

Jede Woche achte ich darauf, welche Ausdrücke mir so begegnen, um sie dann auf eine oder andere Art und Weise zu betrachten.


So viel Mies wie möglich

das wäre doch gelacht

die krieg‘n wir wieder hin

ist ja nicht schlecht gemacht

sie zu retten macht schon Sinn

also machen wir sie zu

und bauen etwas um

wiedereröffnen sie im nu

schon sind sechs Jahre um

doch nun steht sie da

fast schon schöner als zuvor

mit Chinaglas – so herrlich klar

singt der Kulturrat laut im Chor

Zeit und Kosten sind im Rahmen

das ist hier doch mehr als löblich

und ohne Witz über den Namen

ist es nun so Mies wie möglich


Am Donnerstag erhielt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz der Schlüssel für die Neue Nationalgalerie Berlin nach 6 Jahren Bauzeit zurück. Der Mies van der Rohe Bau wurde aufwändig saniert. Die riesigen Fenster sind Spezialanfertigungen, wie sie nur noch in China produziert werden. Hermann Parzinger , Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sagte: „Wir wollten so viel Mies wie möglich.“