Gedicht · Tanzen

Auf leisen Worten

ein Wort

machte sich ganz leise

auf eine kleine

lange Reise

unvorhergesehen

und ganz ausnahmsweise

rutschte es heraus

und zog seine Kreise

durch die Gehörgänge

als gäb es dort Bahngleise

es zog einsam durch die Welt

als einzige Wortwaise

es verstummte nicht

sondern wuchs seltsamerweise

es hinterließ hier und da

eine wahre Wortschneise

verbreitete sich fleißig

wie eine Ameise

und flog von Ohr zu Ohr

wie eine Wortmeise

es klang immer weiter

und wurde alt und weise

es wurde gefeiert

und bekam sogar Preise

und ganz am Ende

seiner Reise

schon ganz erschöpft

quasi als Greise

verklang es wortlos

still und leise

 

#lyrimo

Gedicht

Mehr

Sind wir alle

Teile eines Puzzles

ein kleines Teil

vom großen Ganzen

 

Das Ganze

ist mehr als

die Summe

aller Teile

doch im Puzzle

ist die Summe

eindeutig definiert

 

Das Mehr wird

nicht mehr dazugehören

es wird überschüssig sein

überflüssig

überdrüssig

wird es dennoch mehr sein

mehr als was

wird es bereichern

oder reicht es auch

ohne mehr

 

Ist das Mehr dem Ganzen

würdig

mehrwürdig

merkwürdig

 

Das Mehr

wird nicht mehr

in den Rahmen passen

unangepasst

fremd

wird ihn sprengen

Grenzen verletzen

neue Horizontlinien ziehen

Symmetrien verzerren

 

Das Mehr

wird

auspuzzlerisch sein

#lyrimo

Gedicht

Bettgeschichten

und so bette ich mich

auf das Lager meiner Träume

auf das Kissen

dem ich im Schlaf

mehr Geschichten erzählt habe

als ich sie jemals erfinden könnte

ich lege mich in

die hier gespannten

endlosen Gedanken

an gestern, heute

und morgen

ich schließe die Augen

bedecke mich mit

den daunenweichen Hoffnungen

an einen neuen Traum

an einen neuen Morgen

und entschwinde.

#Lyrimo, 14.11.2019

Gedicht

Blätterrauschen

 

Sie fallem

wie Flausen

und überreife Sommerträume

aus meinem Kopf

überall von den

synaptischen Verästelungen

der Gedankenstammbäume

verfärbt

tragen sie noch Immer

unverkennbar

eine Sehnsucht

in sich

als hätten sie die Sonne

in allen Tagesfarben

in sich aufgenommen.

 

Sie segeln

auf den Boden der Tatsachen

aber nicht ohne

noch eine kleine Pirouette

über dem Rand des Abgrunds

über dem Strom der Zeit

zu drehen

sich noch einmal

im warmen Oktoberlicht zu zeigen

um sich dann

im Novembergrau aufzulösen

der sie wie ein Weckerklingeln

zerbersten lässt

Sommertraumdämmerung