abc-Etüde, Verstrickt

Die abc-Etüden sind eine Schreibeinladung von Christiane auf: irgendwas ist immer

Die Wörter für die Textwochen 08/09 des Schreibjahres 2021 stiftete Sabine mit ihrem Blog wortgeflumselkritzelkram. Sie lauten:

Strickjacke
trügerisch
entdecken.


Verstrickt

Fröhlich schlenderte sie über den Flohmarkt. Sie mochte es, auf ihrem Weg vom samstäglichen Einkauf diesen Umweg zu nehmen, um ein wenig den Duft von frisch gebrühtem Kaffee, klammen Büchern und alten Zeiten einzuatmen. Schon oft, hatte sie bei den Ständen etwas Schönes entdeckt, dass sie für sich oder einen lieben Menschen mitgenommen hatte.

Normalerweise ging sie an den Ständen mit Klamotten vorbei, doch dieses Mal warf sie einen Blick auf die ausgebreiteten Wollsachen des Standes. Eine ältere Frau, die hinter ihrer Nickelbrille hervorschaut, nickte ihr wohlwollend zu. In der Mitte des Tisches lag eine lindgrüne Stickjacke. Sie mochte eigentlich keine Strickjacken, aber diese wirkte irgendwie besonders.

Gerade als sie mit der Hand vorsichtig über die Wolle strich, schob sich eine Wolke vor die Frühlingssonne und eine kleine Böe pustete ihr eine Gänsehaut auf die Arme. Oder war es gar nicht die Böe?

„So eine Stickjacke hilft in vielen Situationen“, sagte die alte Dame hinter dem Verkaufstisch.

Sie zögerte. Der Wind frischte noch etwas auf.

„Ach wissen Sie, für sie mache ich ein Sonderangebot“, sagte die alte Dame.

Nun konnte sie gar nicht mehr anders. Die Jacke war fast geschenkt und bei dem frischen Wind würde sie ihr gut tun.

Sie zog sie sofort an und ging weiter.

Sie hatte gehofft sich nun richtig in die Jacke kuscheln zu können, doch das gute Gefühl war irgendwie trügerisch. Sie fühlte sich gar nicht gewärmt oder behütet sondern irgendwie …

Ein Passant rempelte sie an. Sie drehte sich und trat nach ihm: „Passen sie doch auf!“

Völlig von sich selbst überrascht, drehte sich schnell um und ging weiter. Was war denn das?

Auf den nächsten paar Metern stieß sie mit zwei weiteren Personen zusammen und musste feststellen, dass Sie den Zusammenstoß selbst provozierte. Zitternd zog sie die Jacke enger um sich.

abc-Etüde, Bankgeschäfte – Teil 3

Die abc-Etüden sind eine Schreibeinladung von Christiane auf: irgendwas ist immer

Die Wörter für die Textwochen 08/09 des Schreibjahres 2021 stiftete Sabine mit ihrem Blog wortgeflumselkritzelkram. Sie lauten:

Strickjacke
trügerisch
entdecken.


Bankgeschäfte, Teil 3

Er zuckte zusammen. Er wollte doch nur etwas Warmes für die Nacht haben. So wie die Frau sich benahm, musste diese vermaledeite Strickjacke mehr sein, als nur so ein 0815-Stück aus der H&M Kollektion.

Die Frauen standen kopfschüttelnd vor der Bank. Die ehemalige Strickjackenbesitzerin schlich inzwischen das gefühlt einhundertste Mal um die Bank herum.

Er wollte gehen, sich losreißen, aber irgendwas hielt ihn. Die Strickjacke in seiner Tasche wurde mit jedem Augenblick schwerer. Er wusste, die Nacht würde verdammt kalt werden. Der Himmel war wolkenlos. Das bedeutete zu dieser Jahreszeit besonders kalte Nächte.

Er betrachtete die Frau, die sich fassungslos durch die Haare strich.

„Los, geh endlich. Es ist nur eine Strickjacke“, sagte er leise, fast beschwörend vor sich hin.

Doch sie beugte sich vor und ging erneut um die Bank herum, als könnte sie dieses Mal etwas Neues entdecken.

Er gab auf, zog die Jacke aus der Tasche und ging auf die Damen zu.

Die zweite Frau tippte die Strickjackenbesitzerin an. Als diese sich umdrehte, erkannte sie ihre Strickjacke sofort. Dann sah sie ihm direkt in die Augen.

Er versucht ihre Emotion zu erraten, doch ihr Blick hatte etwas trügerisches. Er wusste nicht, ob sie erleichtert oder erschrocken war.

„S-s-s-Su-suchen s-s-sie v-v-viel-l-l-eicht d-d-das?“, frage er und hielt die Strickjacke hoch.

„Oh ja“, sagt sie in einem deutlichen Ton der Erleichterung. „Wo haben sie sie gefunden?“

Er drehte sich und deutete hinter sich auf den Weg. Dann sah er sie an und gab ihr vorsichtig die Strickjacke. Sie drückte sie sofort ganz eng sich.

„Wissen Sie, meine Großmutter hat sie gestrickt.“

Er nickte, drehte sich um und ging. Halb ärgerte er sich, halb freute er sich, als sich eine Hand sanft auf seine Schulter legte.


Hier geht es zu Teil 1

Hier geht es zu Teil 2

Improvisationsgeschichte, Teil 20

Dies ist Teil zwanzig und damit der vorerst letzte Teil dieser Improvisationsgeschichte. Seit dem 7.Oktober 2020 habe ich hier (fast) jeden Mittwoch eine Fortsetzung veröffentlicht. Insgesamt sind über 100 Wortspenden in den 20 Teilen verarbeitet worden.

Nachdem sich der Kreis der Mitwirkenden über die Dauer des Experiments doch allmählich reduziert hat, habe ich nun beschlossen, diese Geschichte zu beenden und demnächst eine neue Improvisationsgeschichte zu starten. Ich hoffe so, neue Lesende zu gewinnen und zur Teilnahme anzustiften.

Ich danke allen, die diese Geschichte gelesen und/oder mit ihren Ideen und Wortspenden unterstützt haben.

Für alle, die es genauer gewissen wollen, gibt es ein Register mit allen Wortspenden:

Improvisationsgeschichte-Register


Wortgeflumselkritzelkram sagt: Ich sage, sie verhindern den Diebstahl und alles wird gut. Ich mag ja Happy ends 😊 und deshalb ist meine Wortspende ganz einfach: Schwein gehabt ….

Kathakritzelt sagt: Also ich will noch nicht, dass sie vorbei ist, daher sage ich sie scheitern. 😅 Wortspende: Glaskugel

Undsonstsoblog Wortspende: Brennofen

Sternenseele Wortspende: Sternenexplosion

Jemand sagt: Wortspende: Händedruck


Teil 20:

Die kleine Gruppe beobachtete, wie die drei Einbrecher die schwere Münze von ihrem Ausstellungspodest hoben.

Als Hendrik die drei sah, fiel ihm auf, dass sie nie besprochen hatten, wie sie den Raub eigentlich verhindern wollten. Er wollte sich lieber nicht vorstellen, was passieren würde, wenn es den Dieben gelänge, die Münze zu entwenden, sie in einem Brennofen zu schmelzen und anschließend die Dimensionsmünzen zu vervielfältigen. Damit wären den Dieben im wahrsten Sinne des Wortes alle Türen und Tore geöffnet.

Herr Maliardi zog etwas aus seinem grünen Filzmantel und gab es mit einem festen Händedruck in die Hände von Incantato. Dieser nickte und schlich sich an die drei Einbrecher heran. Es sah aus, als hätte er eine Glaskugel in der Hand, die im Inneren leicht zu schimmern schien. Er deckte sie ab, um nicht entdeckt zu werden.

Er bückte sich und rollte die Glaskugel wie beim Kegeln direkt auf die Einbrecher zu. Als die drei die Kugel bemerkten, strahlte diese plötzlich ein extrem helles blendendes Licht aus. Es war, als würde im Inneren eine Sternenexplosion stattfinden. Geblendet fielen die drei wimmernd zu Boden. Auch Finn und Tsunami waren so geblendet, dass sie zu Boden sanken.

Herr Maliardi und Incantato eilten zu den drei Einbrechern und nutzen die Gunst der Stunde, um sie zu fesseln. Sie durchsuchten sie und nahmen ihnen die Münzen ab.

Hendrik hatte Schwein gehabt, weil er rechtzeitig die Augen geschlossen hatte. So konnte er sich nun um Finn und Tsunami kümmern, deren geblendete Augen sich nur langsam erholten.

Schließlich kamen sie alle in der Mitte des Raumes zusammen.

Herr Maliardi zählte die Münzen sorgfältig und achtete dabei sehr genau darauf, dass sie nicht klimperten. „15 – 16 – 17 – 18. Sehr gut“, sagte er erleichtert.

„Was passiert jetzt mit denen“, fragte Hendrik und zeigte auf die drei Einbrecher.

„Die sind nun ungefährlich. Morgen früh wird man sie hier finden und dann kann sich die Polizei um sie kümmern“, sagte Herr Maliardi lächelnd.

„Wir sollten uns auf den Weg zum Hauptbahnhof machen. Ich kann erst wieder ruhig schlafen, wenn wir alle Münzen zusammen haben“, sagte Incantato.

Herr Maliardi nickte.

Am Hauptbahnhof angekommen trafen sie Hans, Emma, Markus und Melanie. Hans hatte in der Zwischenzeit von allen aus ihrer Gruppe die Münzen zusammengesammelt. Es fiel ihm schwer die Münzen herzugeben, aber irgendwie war er auch ein wenig erleichtert. Ihm war die Sache mit den Münzen schon immer unheimlich vorgekommen.

In dem dichten Gewusel des Hauptbahnhofs, hatten sie sich direkt in der Mitte getroffen. Menschenmengen schoben sich an ihnen vorbei ohne zu wissen, was dort vor sich ging.

„Hast du die restlichen Münzen einsammeln können“, fragte Finn, der inzwischen wieder gut sehen konnte.

Hans nickte und gab Herrn Maliardi ein kleines Kästchen.

Herr Maliardi öffnete es und begann zu zählen: „7 – 8 – 9.“ Er sah Hans fragend an.

Hans zuckte mit den Schultern.

„Da fehlen noch drei“, sagte Finn und packte Hans an den Schultern.

„Es waren nicht mehr da“, schrie Hans zitternd.

„Wo sind die restlichen drei Münzen“, fragte Incantato und sah Hans sehr streng an.

„Ich weiß es nicht“, sagte Hans fast weinerlich.

Plötzlich hören sie hinter sich das Klimpern von Münzen.

Als sie sich umdrehten, sahen sie nur noch, wie eine schemenhafte Gestalt sich auflöste.

„Wer war das?“, fragte Herr Maliardi.

„Aaron“, sagte Hendrik erstaunt und erinnerte sich daran, wie alles begonnen hatte.


Liebe Lesenden,

vielen Dank fürs Lesen und Mitmachen.

An dieser Geschichte waren die Personen der folgenden Blogs beteiligt:

deinpferdchen.wordpress.com/

gedankenweberei.wordpress.com/

kathakritzelt.com/

klatschmohnrot.wordpress.com/

laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/

mutigerleben.wordpress.com/

puzzleblume.wordpress.com/

sternenseele.wordpress.com/

undsonstsoblog.wordpress.com/

wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com/

Darüber hinaus gab es auch Teilnehmende ohne einen eigenen Blog bzw. anonyme Teilnehmende.

Allen zusammen gebührt mein Dank für diese schöne Erfahrung, die nur durch Eure Mitwirkung so viel Spaß gemacht hat.

Vielen lieben Dank 😊🙏🌻


Hier geht es zu Teil 19:

Die ganze Geschichte gibt es hier:

#Improvisationsgeschichte

Und einen Überblick über die Personen und die gespendeten Worte findet Ihr hier:

Improvisationsgeschichte-Register