Lebenselixier

Irgendwann kommen sie alle
an einen Tisch oder ihr Ziel
ein Eckcafé als Menschenfalle
zum glücklich sein braucht es nicht viel


und jene, die hier nicht verweilen
auf dem Weg ins Ungewisse
brav dem Stress entgegeneilen
sind die lebendige Kulisse


wie sie hier vorüber schleichen
oder knallend entlang schreiten
sind sie unmöglich zu vergleichen
die Großen, Kleinen, Dünnen, Breiten


ob blond, ob braun, ob henna
im Rock, in Jeans, im Kinderwagen
Frau, Hund, Katzen, Männer
allein, zu zweit oder mit Blagen


die ganze Welt zieht hier vorbei
ein ew’ges Gehen, Stehen, Schauen
von interessant bis einerlei
eine Freude sind, die sich was trauen


so könnt ich ewig hocken bleiben
die Stadt zu Gast an meinem Tisch
genieße still das bunte Treiben
mit nem Kaffee, heiß und frisch


doch im Café ist’s wie im Leben
wer du bist ist ihm egal
es wird nicht ewig Kuchen geben
und auch der Kaffee wird mal schal


dann ist es Zeit, um aufzustehen
das eig‘ne Leben weiterführen
an den Tischen vorbeizugehen
und all die Blicke selbst zu spüren

Kaffee zum Freihalten

KaffeeZumFreihalten_1_lein Kaffee

irgendwie

kostbarer

in diesen Tagen

nein

nicht zum Mitnehmen

ich nehme mir

die Zeit

wer weiß schon

wie lange das noch geht

wie lange es dieses Café

noch gibt

ich gebe

großzügig Trinkgeld

in der Hoffnung

wiederkommen

zu können

zu dürfen

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ich nehme Platz

ich sitze gerne

allein im Café

zum Schreiben

zum Denken

zum Kaffeetrinken

ich schließe dort

keine Kontakte

spreche keine Menschen an

und doch

meinen Tisch zu teilen

mit

hier bitte freihalten

ist irgendwie

nicht das gleiche

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