#writingfriday, Schöner Tod

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Ein klassischer Mord. [#WritingFriday]


Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Er zog genüsslich das Messer aus ihrer Brust, wischte es ab und…” beginnt.

Schöner Tod

“Er zog genüsslich das Messer aus ihrer Brust, wischte es ab und…”

…sagte: „Jetzt gibst du endlich Ruh.“ 

Er sah erschöpft auf sie hinunter, wie sie in einer Blutlache vor ihm lag. Es war so viel Blut. Musste es wirklich so viel Blut sein? Er mochte das Blut nicht, aber das lag nicht in seiner Hand. Er mochte dies alles hier nicht, aber das Leben ist eben kein Ponyhof.

Er sah sie an. Sie sah so friedvoll aus, so sanft. Sie war sicher die schönste Leiche, die er je gesehen hatte. Er hatte das Messer noch immer in seiner Hand, spürte die Schwere der Klinge, den rauen Griff aus Hirschgeweih. Die Klinge des Jagdmessers war ihm eigentlich zu groß und zu schwer, aber sie erfüllte ihren Zweck am besten.

„So weit hast du mich nun gebracht“, sagte er zu ihr und warf das Messer weg. „War es das wert? Sag mir, war es das wert?“ schrie er zitternd die Leichen an. Er hatte das Gefühl, als würde sie ihn anlächeln, oder amüsierte sie sich etwa über ihn? 

Er kniete neben ihr am Boden. Inzwischen hatte seine Hose bereits einiges von dem Blut in sich aufgesaugt. Er konnte die Nässe am Bein spüren. Es widerte ihn an, aber er blieb in dem Blut hocken. 

„Warum nur? Warum nur musstest du mich so sehr reizen? Mich so vor dir hertreiben? Mich bis aufs Blut provozieren? Bis auf dein Blut“, er schüttelte den Kopf. Er konnte nicht fassen, dass er es schon wieder getan hatte. Wie oft noch? Wie oft könnte er das hier noch schaffen. Er sah betrübt in ihr schönes Gesicht. Sie war wirklich die schönste Leiche, die er je gesehen hatte. 

„Schnitt“, schrie der Regisseur. „Alles Saubermachen, dann drehen wir es nochmal.“

#writingfriday., Familientreffen

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

[#WritingFriday] Oktober 2020 die Schreibaufgaben

Aufgabe: Graf Dracula kriegt Besuch von Frankenstein, berichte davon. Welche Pläne schmieden sie? Worüber diskutieren sie?


Familientreffen

An einem Abend in Siebenbürgen.

„Guten Abend, alter Freund. Tritt ein.“

„Nabend“, sagte er grimmig und ging an ihm vorbei.

„Warum so betrübt? Nur wegen der Verspätung?“

„Der blöde Zug hätte eigentlich 6.46 Uhr ankommen sollen. Der Zug hatte aber eine Stunde Verspätung.“ *1

„Ach eine Stunde ist doch für uns nicht der Rede wert. Oder hast Du etwa Angst, ein paar Minuten deiner Unsterblichkeit verschwendet zu haben?“

„Du hast ja recht. Wenn es etwas gibt, von dem wir mehr als genug haben, dann ist es wohl Zeit.“

„Setz Dich alter Freund.“

Vorsichtig und sehr langsam, geradezu mühevoll, versuchte er, sich in den Sessel zu setzen.

„Na, das sah aber auch schon mal dynamischer aus.“

„Ach hör auf. Ich weiß ja nicht, wo er das linke Bein hergenommen hat, aber die Arthrose darin lässt es mich kaum noch vernünftig bewegen. Und die Hüfte ist noch schlimmer. Er muss damals jemanden mit Rheuma ausgewählt haben. Ich kann mich kaum hinsetzen, geschweige denn wieder aufstehen. Du hingegen siehst mal wieder aus wie das blühende Leben.“

„Ich bin nicht sicher, ob das ein passendes Kompliment für einen Untoten ist“, sagte er lachend. „Aber auch ich habe meine Probleme. Seit 138 Jahren habe ich Zahnschmerzen in meinem linken oberen Reißzahn. Aber was soll ich machen? Zu einem sterblichen Zahnarzt gehen?“

„Der würde ja von alleine tot umfallen.“ Er lachte rau und laut.

„Hinzu kommt, dass ich inzwischen gegen die Blutgruppe Null allergisch bin. Aber ich kann ja vorher schlecht nach der Blutgruppe fragen“, er schüttelte den Kopf. „Also alter Freund, was führt Dich zu mir?“

„Es mag Dich erfreuen zu hören, dass die ersten Schritte jenes Unterfangens, welche Du mit so unheilvollen Vorgefühlen betrachtet, sich bisher unter einem günstigen Stern vollzogen haben.“ *2

„Ja ist es denn möglich? Berichte er mir!“

„Ich“, sagte er sehr langsam und betont, (…) als er mit einem Lächeln auf den Lippen, schweigend hinüberging (…) *3 habe alle meine Aktien der deutschen Automobilfirmen verkauft. Alle!“

„Meinst Du nicht, dass das etwas übertrieben war? Immerhin fangen sie jetzt auch an Elektroautos zu bauen.“

„Glaub mir, das wird nichts. Mit Strom kenne ich mich aus“, sagt er und kratzte seine dicke, wulstige Narbe am Hals.

Und so diskutierten sie noch stundenlang über Geldanlagen und Dividenden.

Erst weit nach Mitternacht verabschiedete er sich und alsbald ward er von den dunklen Wogen hinweggetragen und verschluckt von Dunkel und Ferne. *4


*1 Vgl. den Anfang von Bram Stokers „Dracula“

*2 Vgl. erster Satz aus Mary W. Shelly: „Frankenstein“

*3 Vgl. letzter Satz von Bram Stokers „Dracula“

*4 Vgl. letzter Satz von Mary W. Shelly: „Frankenstein“

#writingfriday – Sprunghaft

Dies ist ein Text zu der Aktion „Writing Friday“ von Elizzy. Jeden Freitag wird zu einem der vorgegebenen Themen veröffentlicht. Die aktuellen Themen und eine Liste aller Teilnehmer findet ihr auf Elizzy’s Seite.

Aufgabe: schreibe eine Geschichte die beginnt mit:

Von Natur aus war Lara eigentlich nicht so, doch…

besondere Zeiten verlangen besondere Handlungen. Sehnsüchtig schaute sie auf das vor ihr liegende Oval, welches von sandfarbenen Steinen eingefasst war.

Zögerlich sah sie um. Sie biss sich auf die Lippen. Konnte Sie das wirklich wagen?

Sie blickte zu Boden und trat einen kleinen Schritt zu Seite, um nicht auf einer Spalte zwischen Steinplatten zu stehen.

Würde sie sich das trauen? Hier? An diesem Ort? Jetzt?

Sie schloss die Augen und nahm einen tiefen Atemzug. Sie konnte das Wasser regelrecht riechen.

Sie nickte und zog sich noch mit geschlossenen Augen die Schuhe aus. Anschließend die Söckchen, die sie ordentlich in die Schuhe steckte. Langsam richtete sie sich auf.

Das reicht, sagte eine Stimme in ihr. Sie schüttelte den Kopf. Sicher, sie könnte es auch so tun. Das alleine wäre schon eine enorme Grenzüberschreitung für sie gewesen. Etwas eigentlich vollkommen Undenkbares. Heute jedoch … jetzt… es würde nicht reichen, das spürte sie genau. Nicht dieses Mal.

Sie fasste den Saum ihres Sommerkleides und hielt sich einen Moment daran fest.

Tu es, sagte sie sich selbst und mit einem schnellen Ruck zog sie die das Kleid hoch und sich über den Kopf.

Ihr Atem ging schneller. Sie spürte die pralle Sonne auf ihrer Haut. Sorgfältig faltete sie das Kleid zusammen und legte es ganz ordentlich auf ihre Schuhe, damit es nicht den Boden berührte.

Sie ging einen Schritt auf die kleine Mauer zu. Sie war so klein und doch würde es ein riesiger Schritt sein, sie zu übersteigen. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr. Jetzt stand sie hier in ihrer Unterwäsche und konnte und wollte nicht mehr zurück.

Sie hob ein Bein, führte es über die kleine Mauer und spürte die erfrischende Kälte an ihren Zehen. Das war genau das, was sie nun wollte, was sie nun brauchte.

Sie fasste sich ein Herz, stieg ganz über die Mauer. Die Kälte an ihren Füßen fühlte sich herrlich an. Nun gab es kein Halten mehr, und sie lief durch den Brunnen auf die Fontäne zu.