Gedicht · Tanzen

Butterbrotpapier (Equinox)

Heute

ist Tag und Nacht Gleiche

ist der Raum

zwischen den Zeiten

so

dünn wie Butterbrotpapier

fast wirkt es

als könne man den Tag auspacken

doch das laute Knistern 

mahnt zur Vorsicht

dünn wie Butterbrotpapier

heute könnte 

jede Ecke

jede Kante

den Tag zerreißen

und ich spüre die Gefahr

aus dem Tag zu fallen

 

dünn wie Butterbrotpapier

an manchen Stellen 

schimmert das Morgen 

schon durch

und an anderen 

drückt sich das Gestern noch ab

fast so als könne man es abpausen

dünn wie Butterbrotpapier

ich spüre wie

mit jedem Moment der Achtsamkeit

der Behutsamkeit

wie auch meine Haut

dünner wird

und meine Nerven knistern 

wie Butterbrotpapier

dünn wie Butterbrotpapier

ab morgen 

werden die Nächte länger

wird das Licht dunkler

werden die Tage kürzer

aber auch stabiler

Gedicht

Gesternmorgen

 

gestern

lauer Sommerabend

heute

atemwolkener Morgen

gestern

grünes Sprießen

heute

braunes Verwehen

gestern

heiteres Sonnenbaden

heute

verwirrendes Nebelschwimmen

gestern

endlos helle Tage

heute

taglose Dunkelheit

gestern

Rotwein im Abendrot

heute

Ingwertee mit Teelicht

morgen

werdendes Gestern

heute

lebender Moment

Gedicht

Regenkönigin

 

Stolz und Anmut

umgaben sie wie eine Aura

auch

wenn ihre elfenhafte Erscheinung

im Widerspruch

zu ihrem schweren

schlurfenden Gang stand

 

ihr majestätisches Lachen

ließ keinen Zweifel zu

 

einzig vielleicht

dass sie nicht auf dem Haupt

sondern an den Füßen

gekrönt war

in Pink

mit blauen Punkten

und absolut wasserdicht

 

aufmerksam und huldvoll

bedachte sie jede Pfütze

mit einer Audienz.

Gedicht · Tanzen

Walverwandschaft

Beim 2. Dance for Nature gab es eine virtuelle Begegnung mit einem WAL

in seiner Ruhe liegt die Kraft
in seiner Größe die Eleganz
und eine unendliche Sehnsucht
in der Flosse von seinem Schwanz

sein Erscheinen ist imposant
geradezu enorm
es liegt echte Schönheit
in seiner weichen runden Form

aus ungeahnten Tiefen
aus kalter Dunkelheit
springt er zurück ins Licht
und zwar mit Leichtigkeit

er durchschwimmt die Meere
zieht durch die Ozeane
und er lockt mich,
dass ich ihn nachahme

ich spring ihm hinter
tauche mit ihm ab
und es ist als ob es nie
etwas überm Wasser gab

die Luft wird knapp und knapper
ich müsste Atem holen
doch ich seh keinen Sinn darin
das Meer hat ihn gestohlen

ich versinke in den Tiefen
tauch ihm hinter
und werde genau wie er
zu einem Teil vom Meer