Gedicht · Tanzen

Sommernacht

in jeder Sommernacht

steckt ein Versprechen

hörst du

wie die Blätter an den Bäumen

es rascheln

hörst du

wie die Wellen im Meer

es rauschen

hörst du

wie die Winde in den Gassen

es wehen

hörst du

wie die Regentropfen auf den Straßen

es trommeln

verstehst Du das

Unausgesprochene

das Versprechen

dass nur im Sommer

eingelöst werden kann

und mit der ersten klaren Winternacht

im Bodenfrost

 

verstummt

Gedicht

Demaskiert

Was für ein Aufstieg

zu Beginn

ein asiatischer Spleen

etwas für überempfindliche

Popkönige

 

Dann plötzlich

ein Rettungsanker

ein Schutzpanzer

für die Anderen

Platz 2

der Hygieneartikel

 

Und jetzt

 

das gepriesene Allheilmittel

nichts geht mehr ohne

trotz fragwürdigem Nutzwert

Zwangsvermummung

 

Die offensichtlichsten Lösungen

sind selten die Besten

aber sie sind am einfachsten

durchzusetzen

und zu kontrollieren

es gilt das

Denunziationsgebot

 

Gedicht

Der Virus ist rund

 

Der Virus ist rund
Der Virus ist rund

in der Kabine

die Kurvendiskussion

kurz vor dem Anpfiff

es gilt die Kurve

flach zu halten

nicht den Ball

eine Modellrechnung

jagt die andere

über den Platz

und das menschliche

Abwehrverhalten

ist kein tackling

sondern social distancing

Achsen und Skalen

verschieben sich schneller

als jede Vierer-Infektions-Kette

jeder Hygieneverstoß

wird zum Strafstoß

die R-Zahl

zum X-Faktor

wer hinten zu früh aufmacht

braucht sich nicht

über Infektions-Konter wundern

und wer hinten mit einem shot-down mauert

damit die scharzerote Null steht

riskiert, dass vorne

die Dax-Stürmer verhungern

im Verdachtsfall

gibt es genauso viele

Virolog*innen wie Bundestrainer*innen

die hinterher sagen

dass sie es vorher schon gewusst haben

doch entschieden

wird auf dem Markt-Platz

ein Spiel dauert neunzig Minuten

plus minus der Nachspielzeit

wegen der Quarantänephasen

am Ende

ist Fußball

auch nur ein Virus

oder umgekehrt?

 

Dieses mal auch als Audio zu Anhören.

 

Gedicht

C19

C19

nun

bin ich einer

einer von ihnen

einer von jenen

über die sie sprechen

über die sie berichten

die in den Nachrichten kommen

aber nie genannt werden

über die niemand etwas weiß

die niemand kennt

und doch gehöre ich nicht dazu

 


ich war erkrankt

aber nicht erfasst

vom Virus erwählt

aber nicht gezähltich

war positiv

ohne Test

 


der Test als Maß aller Dinge

als Urteil über die Bedeutung

ohne Test

läuft ein ständiger Selbsttest

auf die eignen Symptome

erkannt

oder

eingebildet

 


am Ende der Quarantäne

eine Selbstdiagnose

und das dumpfe Gefühl

irgendwie betroffen zu sein

Gedicht · Tanzen

Ein Tor mit sieben Türen

Ein Tor aus sieben Türen
doch ich halte sie verborgen
weil sie tief in mich führen
und sie für meinen Schutz sorgen.

Die erste Tür ist leuchtend rot
tief in die Erde eingebracht
sie zeigt, wie ich meine Wurzeln schlage
und was sie aus mir gemacht

Die zweite ist voller Kraft
ein helles orange, hier
liegt meine Leidenschaft
mein Sex und mein Begier

Tür drei in hellem gelb erwacht
weil die Weisheit sie erfülle
hier liegt da Zentrum meiner Macht
und mein eig’ner Wille

Die grüne Tür ist schwer bewacht
hier wohnen Glück und Schmerz
hier liegt mein offener wunder Punkt
mein ungestümes Herz

Die fünf ist blau, vielleicht ahnt man schon
dass sie fast immer offen steht
hier leb ich meine Intuition
und meine Kreativität

Indigo ist die sechste Tür
fehlt mir hier auch mal der Glaube
ist mein Hang zum Okkulten der Hinweis für
mein heimliches drittes Auge

Die sieben umgibt ein violetter Schein
und sie ist nicht ganz ohne
scheint sie doch nicht ganz von dieser Welt zu sein
darum ist sie auch die Krone

Gesichert ist der Weg in meine Welt
durch ein Tor, dass sieben Türen zählt
ich habe es dorthin gestellt
zu schützen, was mich im Innersten zusammenhält

Ich kann es öffnen, jeden Tag
für viele steht es offen und weit
ganz so, wie ich es mag
oder ich schließe es zu rechten Zeit

Gedicht

Unschärfe

Unschärfetoleranz

besser, schneller, was auch immer
Optimierungsfantasien
planen vorbereiten, umsetzen
dem Chaos der Welt
eine selbstgewählte Struktur
aufdrücken
fünfe ungerade lassen
und dennoch auf Linie bringen
eine to-do-Liste für die
to-do-Listen erstellen
aus den Unwägbarkeiten
eine Challange machen
die Termine mit dem Zufall
aus dem Synchronkalender streichen
smarte Ziele als
Lebensphilosophie

jeder wie er mag
doch ich kann das nicht
ich brauche
eine größere
Unschärfetoleranz

Gedicht · Tanzen

Transparent

die Musik
geht unter die Haut
sie hebt sie an
lässt mich
ihre Begrenztheit spüren
ich will raus
will den Rhythmus
und das Licht
in mir spüren

zaghaft
ziehe ich mir
ein Stückchen Haut
von meinem gefangenen ich
es ist
als würde ich
ein Fenster öffnen
um das Außen
herein zu lassen

in langen Streifen
ziehe mir die Haut ab
häute mich
um mir selbst
mehr Raum zu verschaffen
ich wachse
Ich ströme aus
verteile mich
diffundiere

alles was mich umgibt
dringt in mich ein
durch mich hindurch
das Licht
scheint durch mich durch
und aus mir heraus
der Wind durchströmt
und verweht mich

ich bin überall
und nirgends
und doch mehr
im hier und jetzt
als jemals zuvor

Gedicht · Tanzen

Pendel

In unserer Reihe Fridays Dance for Nature standen heute die Elemente im Mittelpunkt und sollten doch nicht das Zentrum sein. Es galt sich so durchlässig zu tanzen, dass die Elemente einen durchdringen konnten, um am Ende etwas aus allen vier Elementen zu erschaffen. Das klang ambitioniert und nicht jeden Tag gelingt es mir, mich auf die Bilder des Tanzen einlassen zu können. Doch heute war ein guter Tag zum Tanzen und das folgende ist mein Versuch, das Gefühl wiederzugeben.

die Musik beginnt
mit jeder Bewegung
ziehe ich mir
ein Stück meiner Haut
von meinem Körper
entferne ich die Membran
die mich zusammenhält
es ist als würde ich in alle Richtungen
gleichzeitig auslaufen
ich diffundiere
ströme aus

Erde
ich sinke hinab
der schwere Boden
ist weich wie Nebel
Tonnen von Erde
schweben mit mir
ich schwimme regelrecht
durch sie hindurch
bis ich die Hitze
des Inneren spüre

Feuer
die Hitze steigt auf
in mir und
um mich herum
ein feuriger Streit darum
wer heißer ist
meine innere Glut
könnte mich selbst
in Schutt und Asche verwandeln

Luft
Ich steige mit der Hitze nach oben
spüre, wie die Winde
mich durchwehen
und ich mit Ihnen
dahingleite
ich bin die Böe,
die den Mond
aus seinem Versteck reißt.

Wasser
und dann fällt Regen aus den Wolken
das Wasser sammelt sich in mir
füllt mich aus
ich Hebe den Arm
und er tropft zu Boden
das Wasser hat
keine Balken

Pendel
ich nehme alles zusammen
für jedes Element
ein Stück von mir
und forme
in wilden Drehungen
ein Elemeńtependel
um Disbalncen auszugleichen
und mit den letzten Tönen
versetze ich es
in Schwingung

Gedicht

Glück

Ich wünsche allen Leser*innen ein schönes, friedvolles und erfüllendes neues Jahr.

Hier eine kleine Portion Glück zum Jahresanfang.

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Das Glück bevorzugt ganz gewiss

stets den, der vorbereitet ist.

So denk stets dran und sei bereit,

wichtig ist Aufmerksamkeit.

Denn das Wichtigste kommt oft,

plötzlich und ganz unverhofft.

Verschließe niemals Deine Augen,

manchmal reicht es schon zu Glauben,

doch suchst Du Glück, Zeit Deines Lebens,

dann suchst Du sicherlich vergebens.

Denn das Glück, ganz unbeschwert,

findet Dich, nicht umgekehrt.

Trifft es Dich, so wirst Du staunen,

wie nah es war: vor Deinen Augen.

Denn das Glück, ganz ohne List,

stets in Deinem Herzen ist. 

Drum kann’s, so lehrt es uns das Leben

kein größeres Glück als Liebe geben. 

(Ein älteres Gedicht aus dem Jahre 2001)

 

Gedicht · Tanzen

Mehr Licht

Das Licht tanzen. Das klingt so leicht, weil das Licht keine Schwere zu kennen scheint. Doch auch das Licht hat seine Schatten. So mussten wir uns erst durch das Dunkel tanzen, um dabei zu sein, wie eine Sonne geboren wird. Und im Anschluss webten wir ein Netz aus Lichtfäden.

Ich werde mein Licht heute in die Welt hinaus tragen. In die dunkle regnerische Winterwelt.

 

 

Mehr Licht

 

Ich hülle mich

In einen dünnen Faden

aus reinstem Licht

spinne mich in einen

leuchtende.Kokon

um mich selbst nicht

zu verlieren

ich kenne diese Dunkelheit

diesen endlosen Schacht

mit seinem nie endenden Fall

ins tiefschwarze Nichts

magisch zeiht es mich

an den Rand

ein Tanz am Vulkan

vielleicht ist meine Höhenangst

eine Angst vor der Tiefe

vor dem Fall

ich vermeide den Blick hinein

ich hab das Dunkel schon gesehen

ich habe es gespürt, gerochen und geschmeckt

um so mehr halte ich mich

am Licht fest

an jedem einzelnen Lichtlein

und feiere jedes Leuchten

in dieser lichtarmen Zeit.