#Der Dienstag dichtet, Frühzug

Jeden Dienstag gibt es bei Katha ein selbst geschriebenes Gedicht und ich schließe mich dem gerne an.


Frühzug

in strenger Formation und

mit lockeren Schwüngen

ziehen sie über die

Köpfe und Felder

hinweg – sie rufen

mit ihrem rollenden

R den nahenden

Frühling aus – als

könnten sie ihn auf

ihren Schwingen herbei

tragen – obwohl in

ihrem Federkleid noch

der Geruch des

Winters streckt

Frühling – Tanzen

Bei Minus 10 Grad Celsius den Frühling zu tanzen entbehrt schon einer gewissen Logik und doch, scheint nicht verständlicher zu sein, als in dieser klirrenden Kälte an die Momente zu denken, in denen die Natur sich die Winterstarre abstreift. Und so tanzten wir in den Frühling hinein, tanzten unser eigenes Frühlingserwachen und wuchsen durch das Eis in die Höhe. Wir tanzen mit Schmetterlingen, tanzten über brechendes Eis und tanzten wie aus der Erde schießende Sprößlinge umeinander herum. Vorsichtig erforschten wir die Momente der Regung, versuchten uns zu neuen Bewegungen zu verleiten und sandten unsere Wurzeln tief in die Erde. Wir malten Eisblumen an imaginäre Scheiben und tankten Frühlingskraft in einer Meditation. Vielleicht haben wir den Frühling nicht herbeigetanzt und vielleicht wird uns der Winter noch eine Weile in seiner kalten Hand halten, aber der Keim für die Erneuerung ist gesetzt. Und was könnte dem besser Ausdruck verleihen als ein Tanz.