abc-Etüde, Heimlich

Die abc-Etüden sind eine Schreibeinladung von Christiane auf irgendwas ist immer

Die Wörter für die Textwochen 25/26 des Schreibjahres 2021 stiftete Monika mit ihrem Blog Allerlei Gedanken. Sie lauten:

Praline
herzhaft
wandern.


Heimlich

Als er die beiden Jungs sah, wie sie mit hochrotem Kopf und dem Handy in der Hand in der Garage verschwanden, überlegte er einen Moment, ob er das Treiben lieber unterbinden sollte. Das Ganze sah doch sehr nach einer pubertären Entspannungsaktion aus. Gerade als er in Richtung Garage gehen wollte, kam eine Erinnerung in ihm hoch.

Seine Gedanken wanderten in der Zeit gut 30 Jahre zurück. Sein Freund Markus war eines Tages ziemlich außer Atem zu ihm gekommen.

„Was ist denn mit dir los?“

„Psst“, sagte Markus nervös. „Lass uns irgendwohin gehen, wo uns keiner sehen kann.“

„Was hast du denn? Hast du was geklaut?“

„Nein, viel besser“, sagte er mit einem deutlichen Stolz in den Augen.

Die beiden Jungs schwangen sich auf ihre Fahrräder, radelten raus auf das Feld und setzten sich gemeinsam unter eine der großen Eichen, die das Feld säumten. 

„Was hast du denn nun?“

„Da wirst du Augen machen“, sagte Markus und versuchte die Spannung noch ein wenig zu steigern.

„Nun rück schon raus damit. Was ist es?“

„Ich hab eine Praline!

„Was?“

„Eine Praline!“

„Diese ganze Heimlichtuerei wegen einem Stück Schokolade?“

„Doch nicht so eine, du Heini.“

Er sah ihn erstaunt an.

Er griff zu seiner Tasche und zog eine dünne Zeitschrift heraus. Auf dem Titelblatt war eine junge barbusige Frau mit dem Untertitel „Sex am Baggersee“.

Ihm wurde heiss und sie steckten unsere Köpfe zusammen, um gemeinsam das Heft nach weiteren offenherzigen Darstellungen und Beschreibungen zu durchsuchen.

Als er sich in Gedanken unter der alten Eiche sitzen sah, musste er herzhaft lachen.

Die Garagentür schloss sich. Heute musste man keine Zeitschriften mehr aus Mülleimern der Nachbarn klauen. Heute hatte man mit dem Handy jederzeit alles zur Hand. Er beschloss die beiden ihre ganz eigenen Erfahrungen machen zu lassen und ging zurück ins Haus

abc-Etüde, Historische Fußspuren

Die abc-Etüden sind eine Schreibeinladung von Christiane auf irgendwas ist immer

Die Wörter für die Textwochen 25/26 des Schreibjahres 2021 stiftete Monika mit ihrem Blog Allerlei Gedanken. Sie lauten:

Praline
herzhaft
wandern.


Historische Fußspuren

Ein bisschen kam er sich wie in der Höhle der Löwen vor, als er seine Pralinen auspackte und auf den Tisch stellte. Nun würde sich zeigen, ob seine Idee auch das Zeug hatte, ein Verkaufsschlager zu werden.

„Gelbe Füße als Pralinen? Niemals!“, sagte der Chef vom Tourismusverband Karlsruhe. „Wissen sie, woran ich sofort denken muss, wenn ich gelbe Füße höre?“ Er lachte herzhaft. „Ganz ehrlich, was soll denn das?“

„Es geht hier um einen historischen Bezug“, sagte der Hobby-Bäcker und zeigte auf seine liebevoll produzierten Pralinen.

Der Verbandschef nickte. „Ja, sie haben je recht. Der Begriff >Gelbfüßler< hat natürlich schon einen historischen Bezug.“

„Ich wollte genau diesen Bezug aufgreifen. Nun lassen sich gelbe Gamaschen, in denen die Soldaten damals herum wanderten, ja nicht wirklich gut darstellen, aber zum Glück wurde das Badische Regiment ja auch nicht Gelbgamaschler sondern Gelbfüßler genannt.“

Der Verbandschef nickte wieder, griff einen der gelben Füße und stecke ihn sich in den Mund. Je länger er darauf kaute, desto größer wurden seine Augen. „Wie haben sie denn einen so feinen Geschmack hinbekommen?“ Der Verbandschef schloss die Augen. „Und was ist das für eine Frucht, die ich da schmecke?“

„Bei der Entwicklung der Praline hat mir ein befreundeter Konditor geholfen.“

„Das muss aber ein echter Könner sein.“

„Naja, das sollte man von einem Patissier im Team der deutschen Koch-Nationalmannschaft schon annehmen“, sagte er lächelnd.

Der Verbandschef riss die Augen auf.

„Und was sie da schmecken ist Passionsfrucht. Daher kommt auch die gelbe Farbe.“

„Eine Köstlichkeit mit historischem, badischen Bezug. Ich will, dass die gelben Füße ab sofort in jedem Laden in der Region stehen, den ein Tourist betritt“, sagte der Verbandschef lachend und nahm sich gleich noch einen Fuß.


Ich habe die gelben Füße zwar noch nicht gegessen, aber sie müssten ziemlich lecker sein.

Gefunden auf: https://www.wochenblatt-reporter.de/karlsruhe/c-lokales/badens-herz-auf-der-zunge_a14072

abc-Etüde, Pralle Praline

Die abc-Etüden sind eine Schreibeinladung von Christiane auf irgendwas ist immer.

Die Wörter für die Textwochen 25/26 des Schreibjahres 2021 stiftete Monika mit ihrem Blog Allerlei Gedanken. Sie lauten:

Praline
herzhaft
wandern.


Pralle Praline

Wenn man durch Neukölln wandert, wundert man sich eigentlich über gar nichts mehr. In Berlin gibt es eben nichts, was es nicht gibt. Doch als er vor dem Schaufenster stand, war er schon unerwartet überrascht. Mit einem „Chevalier du Goûte-Boudin“ hatte er nicht gerechnet. Zugegeben, in Zeiten in den ein Spaghettimonster einen religiösen Status erreichen konnte, war wohl vieles möglich, aber ein Ritter der Blutwurst? Doch die Auszeichnung der Bruderschaft der Ritter der Blutwurst (Confrérie des Chevaliers du Goûte Boudin) sah hochoffiziell aus. Beeindruckt betrat er die Fleischerei, auch wenn er gar keinen besonderen Hunger hatte. In der Vitrine erwartete ihn eine besondere Auswahl an Würsten, darunter auch die ausgezeichnete traditionelle deutsche Blutwurst, die mit thüringischem Majoran und brasilianischem Pfeffer gewürzt war.

Direkt neben den Würsten schien es jedoch auch eine besondere Spezialität zu geben. Er war irritiert, dass hier neben all der Wurst auch Pralinen in der Auslage waren.

„Guten Tag, was kann ich für sie tun“, frage die Fleischereifachverkäuferin höflich.

„Sind das Pralinen?“

„Ja, das sind Pralinen“, sagte sie schmunzelnd.

„Wie kommt es, dass sie hier in der Fleischerei Pralinen verkaufen?“

„Weil es Pralinen sind, die etwas mit Fleisch zu tun haben?“

„Mit Fleisch?“

„Ja, das sind herzhafte Pralinen.“

„Herzhaft?“, fragte er überrascht.

„Naja, unser Fleischermeister ist schließlich ein Ritter der Blutwurst. Das sind keine gewöhnlichen Pralinen, sondern Blutwurstpralinen.“

Er zog die Augenbauen hoch.

Die Verkäuferin kicherte. „Ja, so reagieren die meisten Menschen, wenn sie das zum ersten Mal hören.“ Sie nahm eine Praline aus der Auslage, zerteilte sie und gab ihm eine halbe zum Kosten. Das Innere der Praline war ganz eindeutig Blutwurst, eingehüllt in eine dunkle Schokolade.

Er konnte den Majoran riechen, etwas von dem Pfeffer und den süßherben Duft der dunklen Schokolade. Er schloss die Augen und nahm das Stück in den Mund.


Ich glaube zwar, dass der Ritter der Blutwurst keine Blutwurstpralinen anbietet, aber es gibt diesen Fleischermeister mit dem Titel tatsächlich und es gibt auch allerlei Rezepte für Blutwurstpralinen.