Das Café Ende – Improvisationsgeschichte

Dies ist eine Improvisationsgeschichte: Jeden Mittwoch erscheint ein neuer Teil, der in einer offenen Situation und mit Fragen endet. Bis einschließlich Samstag darauf werden Ideen und Wortspenden eingesammelt, aus denen dann die Fortsetzung entsetzt.

Jede*r kann mitmachen. Je mehr Ideen und Wortspenden, desto interessanter wird die Geschichte.


Die Ideen und Wortspenden vom letzten Mal waren:

Wortgeflumselkritzelkram: Es geht weiter – juchu. Wer da rein kommt – ich lass mich überraschen. Biosphärenreservat klingt ein wenig nach Dystopie für mich? Kuchen finde ich perfekt und meine Wortspende lautet (ohne eine Idee zu haben, wo es hinführt): Eselwanderung.

Katharina: Klingt schonmal mysteriös. Vielleicht ihr Partner in dem Job den sie macht und sie will etwas Revolutionäres probieren. Wenn du schon nach Kuchen fragst, spende ich welchen (zumindest das Wort): karamellisierte Zitronensorbetbrownies.

Rebecca: hat sie seinen oldtimer geschrottet? nein: sie hat das kaffee übernommen und erlebt hier irre geschichten; wortspende: kontrollverlust

Jemand: wer könnte dort kommen? Ihr Guru – was könnte es zu besprechen geben? Sie hat eine Erfahrung gemacht, aus der etwas völlig neues für die ganze Erde resultiert

Kuchenspezialität: Glückskirschkuchen; Wortspende: Guru


Teil 2:

Er kam lächelnd auf sie zu, umarmte sie, gab ihr einen sanften Kuss auf die Wange.

„Schön dich zu sehen“, sagte er.

„Setz dich“, sagte sie mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht.

„Was ist denn mit dir? Warum strahlst du denn so?“

„Fällt dir hier vielleicht irgendwas auf?“

Er zuckte zusammen. Solche Fragen waren fast immer eine Falle, in der es kaum möglich war, auf die richtige Antwort zu kommen. Er sah sich um. Das Café sah so aus wie immer. Es bestand aus einer fast schon unglaublichen Sammlung von Sofas, Sesseln und Tischen. Kein Stück passte zum anderen, doch gerade dies ließ das Café insgesamt absolut stimmig und gemütlich wirken.

„Ich geb‘s auf. Ich seh nichts. Alles wie immer“, sagte er vorsichtig.

„Sitzt du gut in meinem Sessel?“

Er zog die Augenbrauen hoch. „Ja, ich sitze gut“, sagte er deutlich irritiert.

„In meinem Sessel?“

„Wieso in deinem Sessel? Du sitzt doch immer auf der Couch, so wie jetzt auch.“ Seine Stimme wurde etwas unsicherer.

„Weil es jetzt mein Sessel ist“, sagte sie schelmisch.

Er zog die Schultern hoch.

„Das ist ab jetzt mein Café. Ich hab es gepachtet. Es gehört ab sofort mir.“

Er riss die Augen auf und sah sie ungläubig an.

„Ich dachte, du würdest dich etwas mit mir freuen“, sagte sie mit einem Zittern in der Stimme. Für einen Augenblick spürte sie, wie ihr die Welt entglitt. Sie hatte sich dieses Gespräch ganz anders vorgestellt. „Jetzt nicht nervös werden, nicht weinen, kein Kontrollverlust“, sagte sie zu sich selbst.

„Also das … das tue ich … aber …“

„Aber?“, fragte sie leise.

Er schaute einen Moment auf den Tisch und versuchte sich zu konzentrieren. „Das kommt so plötzlich. Und was wird aus unseren Plänen? Unsere Idee Eselwanderungen durch das Reservat anzubieten. Wir sind doch Partner?“

„Hey, das bleiben wir doch auch. Ich will da nicht aussteigen, aber als ich erfahren habe, dass das Café schließen soll, da habe ich einfach zugegriffen. Du hast mir doch immer wie ein Guru vorgebetet, dass man seine Chancen erkennen und nutzen sollte.“

Er nickte. „Und wir bleiben Partner?“

„Aber sicher“, sagte sie lachend.

„Da bin ich aber erleichtert. Na dann herzlichen Glückwunsch Frau Café-Besitzerin“, sagte er nun mit einem freudigen Gesicht.

„Vielen Dank.“ Sie beugte sich dankbar ein wenig vor.

Die Kellnerin kam. „Was darf ich bringen?“

„Lena – das ist Yarim, mein Partner, mit dem ich die Eselwanderungen anbieten möchte.“

Lena machte einen kleinen Knicks. „Hallo Yarim, schön dich kennenzulernen.“

„Ganz meinerseits“ sagte er und sah sie lachend an. Immerhin servierte Lena in diesem Café seit es eröffnet hatte. Aber bisher hatten sie sich nie einander vorgestellt.

„Zur Feier des Tages gebe ich einen aus.“

“Das klingt gut“, sagte Yarim.

„Ein Stück Glückskirschkuchen, den musst du einfach probieren, einen karamellisierten Zitronensorbetbrownie für mich und zwei Gläser Sekt.“ Lena notierte und ging zurück hinter den altmodisch wirkenden Tresen.

„Und was hast du jetzt mit dem Café vor?“, fragt er neugierig.


Liebe Lesenden,

der Anfang ist gesetzt. Das Café Ende hat eine neue Besitzerin. Wie könnte es weitergehen? Was hat sie vor? Wie passt das zu den Eselwanderungen? Welche Rolle werden Lena und/oder Yarim spielen? Fragen über Fragen.

Ich freue mich auf Eure Ideen und Wortspenden


Hier geht zu Teil 1:

abc-Etüde, Fingerfertig

Die abc-Etüden sind eine Schreibeinladung von Christiane auf: irgendwas ist immer.

Die Wörter für die Textwochen 12/13 des Schreibjahres 2021 stiftete die Frau Puzzleblume (ich habe vergessen, ob ich deinen Vornamen nennen darf) mit ihrem Blog Puzzle❀. Sie lauten:

Dackelfalten
fruchtig
scheppern.


Fingerfertig

Gleich würde das Motiv der letzten Runde ausgelost werden. Noch lag sie auf einem aussichtsreichen dritten Platz.

In der ersten Runde hatte sie etwas Pech. Ausgerechnet. Eigentlich war es fast unmöglich in der ersten Runde bereits Punkte zu verlieren. Diese erste Runde diente eigentlich nur dazu, dem Publikum zu zeigen, dass das was sie taten, keine Hexerei war.

Sie hatte ihre Finger gut aufgewärmt und die ersten Schritte hatte sie schon so oft gemacht, dass sie bereits Routine waren. Doch dann – ein kleiner Riss. Punktabzug. Letzter Platz.

Aber schon in Runde zwei konnte sie gut aufholen. Die fruchtigen Motive mochte sie schon immer. Hier hatten viele Konkurrent*innen Schwierigkeiten und schon oft war dies der Moment, in dem sie eine Meisterschaft für sich entschieden hatte. Mit ihrer Ananas hatte sie dieses Mal die zweite Runde klar für sich entschieden. Platz fünf von zwölf.

In der Runde drei ging es um Blumen. Freie Motivwahl. Ihre Blume mit den acht Blütenblättern war gut angekommen. Platz drei.

Als nächstes kamen die Tiermotive. In dieser Runde würde das Motiv per Los gezogen werden und alle würden das gleiche Motiv umsetzen. In diesen Runden kam es auf absolute Präzision an. Nun ging es um echte Millimeterarbeit. Sie hoffte auf einen Elefanten. Den konnte sie quasi im Schlaf. Oder einen Fuchs. Eigentlich durfte fast alles kommen, außer …

Sie erinnerte sich an die letzte Meisterschaft, wo sie aussichtsreich in Führung liegend den Titel wegen diesem blöden Vieh verloren hatte. Ihre Silbermedaille hatte sie nach der Siegerehrung so wütend in die Ecke geworfen, dass es laut gescheppert hatte und die Medaille seitdem etwas verbogen war. Ein Jahr lang hatte sie diese Figur wieder und wieder geübt, aber das Dackelfalten ging ihr einfach nicht von der Hand.

Der Lautsprecher in der Halle knackte.

abc-Etüde, Entsperrung

Die abc-Etüden sind eine Schreibeinladung von Christiane auf: irgendwas ist immer.

Die Wörter für die Textwochen 12/13 des Schreibjahres 2021 stiftete die Frau Puzzleblume (ich habe vergessen, ob ich deinen Vornamen nennen darf) mit ihrem Blog Puzzle❀. Sie lauten:

Dackelfalten
fruchtig
scheppern.


Entsperrung

Es hatte ziemlich gescheppert. Als Hubert ins Wohnzimmer kam, lag sein neues Tablet auf dem Boden und daneben stand mit einem unschuldsbeteuernden Dackelblick sein Dackel Fridolin. 

„Was hast du angestellt“, fragte er ihn wohlwissend, dass er keine Antwort bekommen würde. Immerhin rang sich Fridolin ein Bellen ab.

Hubert und Fridolin waren seit sechzehn Jahren ein Paar. Manche Menschen, die Hubert gut kannten, sagten hinter vorgehaltener Hand, dass ihm Fridolin wichtiger war als seine eigene Frau. Zumindest wurde er mit seinem Dackel deutlich öfter gesehen, als mit seiner Frau.

Seit Hubert Rentner war, zogen die beiden drei Mal am Tag ihre Runde durch das kleine Wohngebiet und über die immer fruchtig riechende kleine Streuobstwiese am Stadtrand. Da konnte es schneien, regnen oder stürmen, die beiden waren nicht von ihrem Vorhaben abzubringen. Hubert hatte immer drei kleine Beutelchen für Fridolins Hinterlassenschaften dabei und entsorgte diese immer ordnungsgemäß im dafür vorgesehen Mülleimer am Ende der Wiese.

Huberts Frau hatte schon mehrfach gesagt, dass sich die beiden immer ähnlicher wurden. Sie meinte damit vor allem die Sturheit von Hubert und Fridolin, doch inzwischen übertrug sie es auch auf immer mehr andere Begebenheiten.

Hubert gab zu, dass er im Alter vielleicht etwas sonderbarer geworden war, doch er war der Meinung, dass alle Menschen im Alter sonderbarer werden würden. Dies, so war er der Meinung, galt für Hunde eben auch und für Dackel im besonderen.

Vor kurzem hatte er sich mit Fridolin gemeinsam fotografieren lassen. Seine Frau hatte laut gelacht und gefragt, wer denn wer sei auf dem Foto. Hubert fühlte sich tief getroffen.

Vielleicht hatte er inzwischen ein paar Dackelfalten, aber er sah doch keineswegs so aus wie sein Hund.

Nun stand er jedoch vor Fridolin und seinem am Boden liegenden aktivierten und entsperrten Tablet, bei dem er erst gestern die neueste Gesichtserkennungssoftware installiert hatte.