Der Mann mit der Maske

Er zögerte einen Moment, bevor er die Tür öffnete. Seine Hand hatte bereits die Klinke ergriffen und sank noch einmal herunter. Er schloss die Augen und schluckte. Er stand still vor der großen Tür. Es fühlte sich müde.

Er nickte, hob den Arm wieder und öffnete die Tür. Als er zu den anderen stieß, spürte er, dass eine ganz besondere Form der Aufregung den Raum erfüllte. Die Kostümbildnerin kam zu ihm und gab ihm sein Kostüm. „Ich hoffe es passt. Bin gespannt, wie es auf der Bühne aussieht.“ Sie lächelte und verschwand in den Probenraum. Er betrachtete das Ensemble in seiner Hand aus schwarzem Kunstleder, als wären es die Habseligkeiten von jemandem, mit dem er lieber nichts zu tun haben wollte. Sein Blick fiel auf die Maske, die ihn an die Masken der Pestärzte erinnerte. Es schien fast, als wäre ein Schnabel aus der Nase entwachsen. So lang und spitz, als könne man damit seinem gegenüber ein Auge ausstechen. Eine Vorstellung, die ihn irritierte aber irgendwie nicht abschreckte.

In der Umkleide herrschte ein geschäftiges Treiben und dennoch eine konzentrierte Stille, denn niemand sprach. Es war lediglich das Rauschen von Stoff und das Poltern von Schuhen zu vernehmen. Er begann, in sein Kostüm zu schlüpfen. Er hatte noch nie eine Lederhose getragen, aber diese fühlte sich an wie eine zweite Haut. Bisher hatten sie ohne Kostüm geprobt. Seine Rolle war die eines echten Widerlings. Er hatte sich noch nicht mit seiner Rolle anfreunden können. Er hatte dem Regisseur bereits gesagt, dass er sich mit der Rolle nicht identifizieren könne, aber jemand musste eben den Widerling geben. Der Regisseur hatte ihm erklärt, dass er nur ihm es zutrauen würde, diese Rolle zu spielen.

Er gab sich Mühe. Doch das er ausgerechnet die über alle Maßen nette und sympathische Lena absichtlich so behandeln musste, als wäre sie ein Stück Vieh, macht die Rolle noch schwerer. Er war kein echter Schauspieler, das wusste er. Er würde es nie auf eine große Bühne schaffen, aber hier in der Laienspielgruppe hatte er sich inzwischen einigen Respekt erspielt, indem er schon sehr unterschiedliche Charaktere überzeugend auf die Bühne gebracht hatte.

Er musste an seine Rolle als heimlicher Liebhaber vor zwei Jahren denken. Das war eine seiner besten Rollen, sagt er zu sich selbst und zog mit etwas Stolz das schwarze, schwere Revers seiner Jacke zurecht, bis es sich perfekt anfühlte.

In seiner schwarzen Kluft stellte er sich vor den Spiegel. Er betrachtete sich erstaunt. Er wirkte größer als sonst und irgendwie fühlte er sich anders. Vorhin, vor der Tür, war er müde von der Last seiner Rolle, aber jetzt fühlte er eine neue, brodelnde Energie in sich. Er betrachtete seine Maske und ein Lächeln flog über sein Gesicht. Ein letzter Blick in den Spiegel, dann setze er sie auf. Ohne zu schauen wie er mit Maske aussah, drehte er sich um. Seine schweren Stiefel knallten laut und herausfordernd auf den Holzboden.

Hier kommt ein Beitrag zum #WRITING FRIDAY von https://readbooksandfallinlove.com/2020/07/31/writingfriday-august-2020-die-schreibaufgaben/

Zu finden bei https://kathakritzelt.com/

Aufgabe: Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Maske, Habseligkeiten, müde, absichtlich, Widerling

Demaskiert

Was für ein Aufstieg

zu Beginn

ein asiatischer Spleen

etwas für überempfindliche

Popkönige

 

Dann plötzlich

ein Rettungsanker

ein Schutzpanzer

für die Anderen

Platz 2

der Hygieneartikel

 

Und jetzt

 

das gepriesene Allheilmittel

nichts geht mehr ohne

trotz fragwürdigem Nutzwert

Zwangsvermummung

 

Die offensichtlichsten Lösungen

sind selten die Besten

aber sie sind am einfachsten

durchzusetzen

und zu kontrollieren

es gilt das

Denunziationsgebot