Der Dienstag dichtet, (S)tille Nacht– Alphabet der Stille – S

Jeden Dienstag gibt es bei Katha ein selbst geschriebenes Gedicht und ich schließe mich dem gerne an.


Aus meinem Alphabet der Stille:

(S)tille Nacht

ein Jahr lang heiß ersehnt

in den Liedern oft erwähnt

der Höhepunkt der stillen Zeit

alle sind – weihnachtsbereit

doch von Stille keine Spur

es herrscht regelrecht Aufruhr

alles wirkt hektisch – schnell und laut

als hätt‘ sich was zusammengebraut

dass sich gewaltig nun entlädt

als wäre es fast schon zu spät

Weihnacht kommt wieder unverhofft

weshalb man sich unter‘nander zofft

und dann noch die Geschenke

für die sich mancher schon verrenkte

und ist der ganze Stress verraucht

bleibt das Geschenk – dass keiner braucht

und vom Essen – mehr und mehr

das Delikatessregal ist leer

nicht anders ist‘s bei Bier und Wein

denn perfekt – soll alles sein

doch weil die Nacht so auserkoren

geht die Stille schnell verloren

d‘rum dämpfet Eure Worte

besinnt Euch der Momente und der Orte

denkt an die Menschen – die ihr liebt

weil es doch nichts Schöneres gibt

seid behutsam – gebt auf Euch acht

ich wünsch Euch – eine Stille Nacht

Impulswerkstatt, Die Rose (Teil4)

Bild: Myriade

Dieser Text entstand durch eine Bildanregung der Impulswerkstatt von Myriade.

Wie das Projekt funktioniert steht hier

Die Impulse für die November/Dezember-Impulswerkstatt findet Ihr hier.


Die Rose (Teil 4)

„Komm zu mir, Demutatio!“

Der Lehrling ging zu seinem Meister und setze sich zu ihm auf die Bank.

Der Meister sagte nichts sondern blieb stumm sitzen, ohne sich zu ihm umzudrehen. Der Lehrling wurde immer nervöser, aber er hatte gelernt nicht nachzufragen. Seine Neugier jedoch wuchs in ihm, wie die Ranken wilder Brombeeren. Nach und nach überwucherten sie jeden klaren Gedanken.

Endlich atmete der Meister deutlich ein. Er hielt den Atem an in der Hoffnung, dass er nun endlich etwas erfahren würde, doch der Meister atmete gleich darauf ganz entspannt wieder aus. Das konnte noch ewig so gehen, dass wusste er, doch es machte ihn wahnsinnig.

„Wenn du es nicht mehr aushältst, dann schau einmal auf die Pflanze im Torbogen“, sagte der Meister unvermittelt.

Der Lehrling drehte sich blitzartig um. Er sah die etwas kümmerliche Rose an, die sich allen Widerständen zum Trotz in diesem kleinen Bogen eingenistet hatte. Er betrachtete sie eingehend, aber er konnte an dieser kümmerlichen Pflanze trotz aller Bemühungen nichts besonderes erkennen. Er starrte sie an, jedes einzelne Blatt. Was konnte daran besonders sein?

Er drehte sich wieder zu seinem Meister, der ihn immer noch keines Blickes würdigte. Er saß einfach nur da, starrte vor sich hin und atmete ein und aus.

Er fasste all seinen Mut zusammen: „Ich verstehe das nicht Meister. Was sollte ich denn an der Rose sehen?“

„Die Frage lautet vielleicht, was du an ihr nicht bemerkst?“

„Was ich nicht bemerke?“, fragte er erstaunt und drehte sich noch einmal zur Rose um.

„Wenn du diese Rose mit dir vergleichst, was wäre der Unterschied, wo ihr doch beide gerade am gleichen Ort weilt?“

„Ich würde sagen, mich unterscheidet so ziemlich alles von dieser Rose.“

„Ich meinte nicht das Äußerliche.“

„Das verstehe ich nicht“, sagte der Lehrling fast verzweifelt.

„Die Rose war schon lange vor dir hier und sie wird noch lange nach dir hier sein.“

Der Lehrling nickte unsicher und zuckte mit den Schultern.

„Bemerkst du die Unruhe der Rose?“

„Unruhe? Welche Unruhe? Das Ding ist doch stoisch wie ein Fels.“ Kaum hatte er es gesagt, setzte er sich gerade neben seinen Meister und versuchte sich so gut er konnte, auf seinen Atem zu konzentrieren.


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