abc-Etüden, Der Fussballindianer

Die abc-Etüden sind eine Schreibeinladung von Christiane auf: irgendwas ist immer.

Die Wörter für die Textwochen 16/17 des Schreibjahres 2021 stiftete Doro mit ihrer Webseite/Blog DORO|ART. Sie lauten:

Pfanne
glücklich
trennen.

Wie immer an dieser Stelle der Verweis auf den Etüden-Disclaimer. Die Headline für die Etüden heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.


Der Fussballindianer

„Das habe ich mir gedacht.“ Der Arzt wippte beim Betrachten der Röntgenaufnahme nachdenklich etwas mit dem Kopf.

„Das klingt nicht gut.“

„Naja, es ist nicht so schlimm wie gedacht. Es ist keine Fraktur, aber sie haben sich das Gelenk ausgekugelt.“

„Das klingt auch nicht besser.“

„Ist es auch nicht. Schauen sie hier. An dem Spalt hier sieht man, wie weit der Gelenk-Kopf und die Gelenk-Pfanne getrennt sind. Dadurch können Sie den Arm quasi nicht mehr bewegen.“

„Das merke ich auch.“

„Sie müssen ganz schön hart auf den Boden aufgeschlagen sein.“

„Ja, das stimmt. Das war ein echt böses Foul. Ich war auf full speed als mir der Kerl voll in die Beine grätschte. Ich habe mich regelrecht überschlagen und bin dann voll auf der Schulter gelandet. Dann habe ich nur noch Sterne gesehen.“

„Und? Hat er dafür wenigstens die rote Karte gesehen?“

„Nein, leider nur die gelbe.“

„Aber gewonnen haben sie?“

„Oh ja. Wir haben 3 zu 1 gewonnen. Wenn wir so weiterspielen, schaffen wir dieses Jahr den Aufstieg.“

„Den Aufstieg?“, der Arzt nickte anerkennend mit dem Kopf. „In die 2. Liga? Die 3. Liga?“

„Nein, von der Kreisliga C in die Kreisliga B.“

„Na aber hallo“, sagte er überrascht. „So ein wichtiger Aufstieg macht bestimmt sehr glücklich, da nimmt man dann auch ein paar Schmerzen in Kauf, oder? Denn der Schmerz wird sicher noch ein Weilchen andauern. “

„Sicher. Sie wissen doch, ein Fußballer kennt keinen Schmerz.“

„Ja, so etwas ähnliches habe ich schon mal gehört“, murmelte der Arzt. „Na das wird jetzt beim Einrenken sehr hilfreich sein, denn für jeden anderen ist das extrem schmerzhaft.“


Als ehemaliger Amateur-Football-Spieler weiß ich leider, wovon ich da schreibe, auch wenn ich mir eher andere Körperteile verletzt habe.

7 Gedanken zu “abc-Etüden, Der Fussballindianer

  1. Grace

    O o , einen guten Morgen, Wortverdreher,
    da kann ich dem Fußballindianer nur einen sehr starken Geist wünschen, in dem er sich aufhellt (und das ist kein Rechtschriebfehler 😉 ), um sich in den Momenten des Einrenkens weit aus seinem Körper weg zu beamen und sich dort aufzuhalten, wo die Materie bedeutungsloser wird.
    Indianer sollen diese Fähigkeit ja gut beherrscht haben.
    Beste Grüße und viel von dieser Kraft für dich und uns alle!
    Grace

    Gefällt 1 Person

  2. Das ist jetzt mal eine andere Assoziation zur Pfanne; mein Vater hat sich mal beim Skifahren die Schulter ausgekugelt, das war auch ätzend – vor allem, weil er danach nicht mehr autofahren durfte und unsere Mutter keinen Führerschein hatte.

    Da musste dann meine Tante einspringen.

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 18.19.21 | Wortspende vom Bodenlosz-Archiv | Irgendwas ist immer

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