abc-Etüde, Alle neu

Die abc-Etüden sind eine Schreibeinladung von Christiane auf: irgendwas ist immer.

Die Wörter für die Textwochen 12/13 des Schreibjahres 2021 stiftete die Frau Puzzleblume (ich habe vergessen, ob ich deinen Vornamen nennen darf) mit ihrem Blog Puzzle❀. Sie lauten:

Dackelfalten
fruchtig
scheppern.


Alles neu

„Nun, was führt sie in meine Praxis?“

„Ach wissen sie – eigentlich bin ich nur wegen meiner Frau da.“

Der Arzt nickte.

„Sie hat gemeint, ich sollte mich mal mit ihnen unterhalten. Sie wüssten schon, was zu tun ist.“

„Was würden sie denn gerne machen lassen?“

„Ach wissen sie, da habe ich keine Ahnung. Ich weiß ja nicht, was überhaupt möglich ist. Oder gar nötig.“

„Gibt es denn etwas, das sie stört? Etwas wo sie sagen, das wäre schon schön, wenn es anders wäre?“

„Also eigentlich nicht.“

„Ja, aber was wollen sie dann hier?“

„Sie sind doch der Fachmann. Sie müssten doch wissen, was man machen kann. Irgendwas. Wenn ich ohne was nach Hause komme, wird es gewaltig scheppern im Hause Ostermann.“

„Ja machen können wir eine ganze Menge, aber wollen sie das auch?“

„Eine ganze Menge? Was denn zum Beispiel?“

Der Arzt nahm ein Tablet, machte ein Foto und setzte sich neben ihn. Er konnte das fruchtige Aftershave des Arztes riechen.

„Ich zeig ihnen mal, was ich meine.“

Er sah gespannt auf sein eigenes Portraitfoto.

„Zuallererst verpflanzen wir ein paar Haare, damit die Stirn nicht so hoch ist. Ungefähr so“, sagte er und zeichnete auf dem Tablet herum. Plötzlich hatte er mehr Haare.

„Dann glätten wir die Stirnfalten. Da bringt so fünf bis zehn Jahre.“

„Zehn Jahre?“, fragte er und sah, wie die Falten auf dem Bild verschwanden.

„Dann korrigieren wir die Lider. Die werden im Alter einfach immer unanschaulicher. Auch das bringt gut zehn Jahre.“

Er konnte es kaum glauben.

„Dann richten wir die Nase und unterfüllen dabei die Dackelfalten. Da wird ihr Gesicht zwar ein wenig fülliger aber deutlich jugendlicher.“

Er starrte gebannt, wie sich das Bild auf dem Tablet veränderte.

„Dann straffen wir noch den Hals, legen etwas die Ohren an und schon sind sie ein neuer Mensch.“

20 Gedanken zu “abc-Etüde, Alle neu

      1. Habe ich mich mit der Geschichte über jemanden lustig gemacht? Das war nicht die Absicht. Ich wollte eher aufzeigen, dass wenn man alle Möglichkeiten der Veränderung nutzt, man sich auch von sich selbst entfremden könnte.

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  1. Ha, das hat mich an eine wahre Geschichte erinnert, die mir ein alter Mann erzählt hat. Ich traf ihn auf der Straße, wo er mir erzählte er käme grad vom Logopäden. „Ach“ sagte ich und er erzählte weiter, seine Frau hätte ihn geschickt weil sie seine Aussprache so schlecht verstünde. Ich fragte nach: „Und, was hat er gesagt?“ Und er meinte ich solle meiner Frau ausrichten, sie solle dringend zum Ohrenarzt gehen. Diese Geschichte ausgeschmückt wäre auch ein lustige Geschichte nicht wahr? Aber ich habe sie wirklich erlebt.

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  2. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 14.15.21 | Wortspende von Ludwig Zeidler und Irgendwas ist immer | Irgendwas ist immer

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