abc-Etüde, Rosenkavalier

Die abc-Etüden sind eine Schreibeinladung von Christiane auf: irgendwas ist immer

Schreibeinladung für die Textwoche 05.21 | Extraetüden

Extraetüde heißt: von den Begriffen des abgelaufenen Monats, das sind sechs, sucht man sich fünf aus und verpackt die in einen Text von maximal 500 Wörtern. Zeit: eine Woche!

Die Wörter im Monat Januar spendeten Ludwig Zeidler und Ulrike von Blaupause7. Sie lauteten:

Zetermordio, weichmütig, backen
Lautsprecher, orange (NICHT die Frucht, die Farbe), erschüttern.


Rosenkavalier

Lachend zogen die vier durch die Fußgängerzone. Wie so oft, wenn sie gut drauf waren und herumscherzten, begannen sie, Mädchen und Frauen, die ihnen begegneten, zu bewerten. Eine zehn war dabei eine echte Traumfrau und eine eins war in ihren Augen furchtbar hässlich.

Die Mädchen und Frauen bekamen zwar nicht mit, welches Spiel die vier Jungs trieben, aber ab und an schüttelten sie sich so vor Lachen, dass ihnen zumindest gewahr wurde, dass sie Ziel des Spotts waren.

Ab und an kam es vor, dass auch mal eine zwölf vergeben wurde. Aber das ging nur, wenn sich alle vier einig waren. Das zumindest hatten sie in ihren nie formulierten Regeln so festgehalten.

Der heutige Tag war bisher noch nicht so erfolgreich, denn die Höchstwerte waren bisher eine acht und eine sieben. Dafür hatten sie um so mehr über die Frauen, die nur ein, zwei oder drei Punkte bekommen hatten, gespottet und gelacht.

Gerade hatten sie wieder eine sieben vergeben, als Frank stehen blieb. Seine Augen waren an einer jungen Frau kleben geblieben, die ihnen entgegen kam. Die anderen drei lachten und sagten: „Hey, das ist doch höchstens eine sechs!“

Doch Frank war völlig fasziniert. „Das ist eine 15“, beharrte er.

Die anderen lachten ihn aus. „Niemals“, sagten sie.

Frank konnte seine Augen nicht lösen. In ihrem orangenen Kleid sah sie für ihn aus wie eine seltene exotische Blume. Ihre Gesichtszüge waren so sanft und weichmütig, wie er sie noch nie in seinem Leben gesehen hatte. Ihr Gang war wie ein sanften Wiegen einer Rose in einer Sommerbriese. Er war geradezu erschüttert von ihrer Schönheit und ihrem Anmut.

„Los sprich sie doch an“, sagte Fred.

„Das kriegt er nicht gebacken“, stänkerte Ahmed.

Die junge Dame ging an ihnen vorbei, ohne Notiz von ihnen zu nehmen. Frank sah ihr nach, bis die drei ihn weiterzogen.

Nur ein paar Meter weiter kamen sie an einen Blumenladen. Aus den Lautsprechern im Laden drang der Song „Bed of Roses“. Frank schaute sich die Auslage an. Plötzlich griff er sich die größte Rose und rannte davon. Seine drei Freunde waren ganz perplex. Er hörte sie, wie sie ihm nachriefen und er hörte den Blumenladenbesitzer Zetermordio schreien, aber er war zu schnell für ihn.

Endlich sah er das orangene Kleid wieder. Er schloss zu ihr auf, doch kurz bevor er bei ihr war, bog sie in einen Laden ab. Etwas außer Atem stellte er sich an einen Baum und ließ die Ladentür nicht mehr aus den Augen. Da hatte er eine Idee. Er schieb seinen Namen und seine Handynummer auf eines der Rosenblätter.

Gerade als er damit fertig war kam sie heraus. Er atmete tief ein, stellte sich ihr kurz in den Weg, drückte ihr die Rose in die Hand und sagte: „Für die schönste Rose der Welt.“

Dann rannte er davon, so schnell er konnte und mit hochrotem Kopf.

13 Gedanken zu “abc-Etüde, Rosenkavalier

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